PEP_TU_Berlin_Tobias_Becker

Ausblick auf eine responsive und variabel permeable Architektur

Tobias Becker
Architektur entsteht durch die Initiative einen Ausschnitt aus unserem Lebensraum abzugrenzen. Der entstandene Raum hat eine veränderte Qualität gegenüber dem Ausgangsraum, ist aber nie autonom. Seine Qualitäten beschreiben sich demnach durch die Beziehungen zu der natürlichen und sozialen Umgebung. Die Durchlässigkeit der baulichen Grenze zwischen Innen- und Außenraum ist dafür maßgebend. Im Fokus der Promotion steht der Entwurf anpassungsfähiger Gebäudehüllen einer neuen Architektur, die ihren emotionalen Erfahrungswert durch die variable Auflösung der Grenze zwischen Innen- und Außenraum mehrt.
Der gewählte Ansatz konterkariert heutige Architekturen, deren Nutzungsmöglichkeiten und Qualitäten von dem Moment ihrer Errichtung an auf Nutzungsdauer bestimmt sind. Es wird versucht den Trend zu durchbrechen, Gebäude – in der Absicht zur Minderung der energetischen Verluste – hermetisch und räumlich abzuschotten. Die anthropogenen Enklaven kappen den Außenbezug auf ein Minimum, halten das Innenraumklima mit technischen Hilfsmitteln aufrecht und geben eine Handlungsanleitung zu ihrer Nutzung. Es wird vernachlässigt, dass architektonischer Raum seine Qualitäten aus dem Außenraum bezieht und grundlegende Bedürfnisse von Nutzern unterschlagen.
Eine lebendige Architektur kann den energetischen Austausch mit der Umgebung steuern und zugleich ihren Naturbezug stärken. In Reaktion auf die tages- und jahreszeitlich wechselnden Phänomene des Wetters, kann die Gebäudehülle ihre Durchlässigkeit effektiv und lokal variieren. So kann im Winter dem Sonnenstand folgend solare Energie über besonnte Fassadenflächen gewonnen werden. Im Sommer können Räume kühle Frischluft von verschatteten Fassadenflächen beziehen. Die Promotion dient der Suche nach einfachen technischen Möglichkeiten, die Durchdringung der Gebäudehülle durch Licht, Luft, Schall und Wärme möglichst simultan aber unabhängig voneinander steuern zu können. Die komplexen, formveränderlichen Strukturen sollen die Potentiale sowohl konventioneller als auch industrieller Materialien und Fertigungstechniken im Experiment ausschöpfen. In modellhaften Szenarien sollen die Lösungen auf Ihre Wirkung bewertet werden, den energetischen Haushalt von Gebäuden zu verbessern, ein gesünderes Raumklima zu schaffen und auf das psychologische und physiologische Befinden von Nutzern reagieren zu können. Ausgewählte Lösungen sollen anhand konkreter Planungsobjekte aus der Praxis in architektonisch Entwürfe münden und Fragen zur Erscheinung und Ästhetik einer responsiven Architektur einleiten, die ihre Bindung zur sozialen und natürlichen Umgebung in einem Spiel von Intra- und Extravision stärkt.